Chemnitz - Waum bist du hiergeblieben? (German Edition)


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Mit Erinnerungen kann man zwar fiberwintern, und die Erlebnisse an einst, an die Zeit, in der wir miterleben und mitarbeiten durften, an die Zeit, in der es wenigstens in etwa einen legitimen Anspruch der Juden auf die Mitarl eit tind das Mit- schaffen gegeben hat, an die Zeit, in der Gustav Mahler Musik schrieb und Gundolf Goethe deutete, sind der groBe und sch6ne Vorratsraum, in den man gehen kann, wenn man will. Aber w ir haben ihn noch. Unsere An unsere Leser! Die nkchste Ausgabe unserer Zeitung erscheint wegen der Feiertage am Freitag, dem Das ist eine Frage. Es ist keine Antwort. Es gibt keine Antwort.

Zum Ghetto, zu unserem Ghetto von , geh6rt auch neben der Kultursituation etwas, was man -schwer bezeichnen kann, und was unser Leb e n in der d e ut- schen Landschaft umschreibt. T6nende Worte braucht man dariiber nicht zu machen. Man braucht nur einmal am Tage durch die deutschen Lande zu fahren, jetzt im Friihling, wenn das neue Leben sich regt, und das frische Griin die Wiesen iiberzieht, die Biiche im Gebirge silbern gliinzen, die Baiume bliihen, und die Wilder auf den Bergen ringsum jung und frisch dastehen.

Nur das braucht man, und man spflrt es mit aller GewiBheit und mit einer elementaren Kraft, die stark ist wie ein Axiom: In diese Landschaft sind wir hineingeboren. Ich will nichts von der Mystik oder dem Mythos einer Landschaft sagen. Ich kenne auf diesem Gebiete nicht die Grenzen. Aber abseits von alledem ist die Bindung groB, stark und echt. Und doch hat sie sich in den letzten zwei Jahren verwandelt.

Denn Landschaft ohne Menschen gibt es nicht. Das ist eine Chimiire, ein Schatten, ein Bild, eine' Wandtafel, nichts anderes. Zur Landschaft, zur wirklichen Landschaft geh6ren Menschen und ihr Leben, ihr Denken, ihre Art, zu reagieren, was sie empfinden, und welches die Formen ihres Lebens sind.

Nie hat man zur nackten Landschaft eine Bezie- hung, der Landschaft ohne Menschen, und nie auBerhalb der bloBen Aesthetik ist die Landschaft menschenleer. Ist das aber so, dann beginnt allmihlich die Landschaft, in der wir leben, ihr Antlitz zu verindern. Denn wo in der Welt k6nnte die Beziehung noch ungest6rt sein, wenn es innerhalb dieser Landschaft Pfdhle gibt, Bar- rieren, Schilder, die mir, dem in dieser Landschaft Leben- den, den Eintritt zu ihr verwehren. Das wird fuir mich zu einem Pfahl im Fleische der Landschaft, und ihr K6rper wird ganz und gar verwundet.

Denn zu wissen, daB Landschaften im Gebirge, in der Ebene und am Meere, kleine D6rfer und Stiidte den Eintritt des Juden, also meinen Eintritt, nicht wiinschen, das macht nicht nur traurig. Es wire zu wenig; sondern es verwan- delt die Landschaft selbst auch, ihr objek- tives Bild, ihre Erscheinung, nicht nur meine Empfindung. Und Berge, Fliisse, Biiume und Wiesen beginnen in einer ungeahnten, nie geglaub- ten Verwandlung uns ihre Grimasse zu schneiden.

An dieser Demaskierung einer Landschaft, die auch die un'sere ist, zeigt sich iunser OGhettobestand von neuem. Das Ghetto hat seine Mauern zwar 'auchi. Es ist aber gut, wenn wir die unsichtbaren Mauern' sehen, die der Kultur, der Landschaft und des inneren Reagierens. Es ist gut filr uns und ffir die anderen zu wissen, was das eigentlich heiBt: Dies alles wird hier ohne jeden Groll und ohne den Ton der Anklage gesagt.

Wir sind uns viel zu sehr der Gr6Be des geschichtlichen Umbruchs bewuBt, als daB wir auf dieses Schicksal mit unfruchtbaren Klagen reagieren sollten. Wir wissen nur das eine: Und wir wissen, daB im gleichen Zeit- alter, das uns diese unerwartete Verdinderung unseres Lebens gebracht hat, eine n e u e Form des jiidischen Lebens und eine Umformung des jiidischen Menschen im Lande der jiidischen Geburt und der jiidischen Wie. Die Jubilanumsfeier auf dem Skopusberg Jerusalem, April die Feier des 10jihrigen Jubilaums der Einweihung der Universitat statt, die nach dem jiidischen Kalender vor genau 10 Jahren 7.

Chaim Weizmann und Prof. Eine Kapelle spielte die englische Natio- nalhymne und die Hatikwah. Magnes schilderte die Entwicklung der Universitat im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens und entwickelte die Richt. High Commissioner Sir Arthur Wauchope erkllirte, er freue sich zu sehen, was fOr groge Fortschritte die Universitit in ihrer bisherigen Entwicklung gemacht hat. Wire Lord Balfour noch am Leben, so wilrde er heute fest- stellen, daB die Hoffnungen, die er an die Entwicklung der Universitit kniipfte, sich erfillt haben. Der High Commissio- ner gab der Hoffnung Ausdruck, daB die Universitait weitere Fortschritte machen und hohe wissenschaftliche Leistungen vollbringen werde; denn keine Gesellschaft kdnne blol aut materiallen Grundlagen aufgebaut werden.

Wir bringen einige Beitrage, die die Entstehung der Bewegung und ihrer Glie- derungen, ihre Wirkung auf die Judenheit und insbesondere auf die westliche Juden- heit und die Entwicklung bis heute skizzieren. Es sollte hierbei die Umwandlung des jfidischen Lebens durch das Auftreten des Zionismus und dessen organisatorische Kristallisation geschildert werden. Dies gibt natiirlich kein v ollstandiges Bild; manche wichtige Faktoren kommen nicht ganz zu ihrem Recht.

Wir mUssen uns aber Beschrankungen auferlegen. Die Arbeit von Rudel aber soziale Farsorge zeigt, wie stark die neuen Anschauungen das ganze jaiische Leben befruchtet haben. Mart k6nnte dasselbe auf dem Gebiet des Erziehungswesenrs zeigen. Um schlieflich die Fortschritte und Veranderungen der letzten vierzig Jalhre in Politik, Wirtschaft und Kultur P a la s ti n a s darzustellen, maf3te man ein ganzes Buch schreiben. Inncrhalb unserer Rackschau werden nur einzelne Spezialgebiete des paldstinensischenr Lebens, vor allem die Hauptzweige der Wirtschaft, behandelt.

Weitere Beitrage muf3- ten fir die nachste Nummer zurackgestellt werden. Das Jubildum der ,,Jldischen Rundschau" ist mir wie ein eigenes so sehr fahle ich mich mit diesem fIhrenden Organ unserer Bewegung ver- bunden. Hier ist in vorbildlichster Weise die Aufgabe einer von sittlicher Verantwortung getragenen Presse erfiillt: Treuer Dienst an dem Ideal, das sie zu verwirklichen hilft, unerschatterliches Festhallen an einem hohen geistig-moralischen Niveau ohne Konzession an den Geschmack der Menge, Ent- schiedenheit in der Sache, Vornehmheit im Ton, steter Ver- such, auch dem Gegner gerecht zu werden, Universalitat und Exaktheit der Information, unausgesetzte Bemrhung, das Beste an Beitragen zu bieten.

Alle diese Qualitaten werden der ,,Jidischen Rundschau" auch von jenen Zionisten nicht bestritten, die mit ihrer Haltung in innerzionistischen Fragen nicht immer einverstanden sind. Als Zeichen meiner be- sonderen Hochschatzung der ,,Jildischen Rundschau" und ihres Leiters abergebe ich ihr zu ihrem Jubildum mit Zu- stimmung des ,,Jadischen Verlags" aus der in Kiirze er- scheinenden zweiten, vermehrten Auflage meines Buches ,,Die Zionistische Bewegung" ein Kapitel, das historisch und ideologisch einen Ausgangspunkt der Bewegung behandelt.

Der verletzte Geltungstrieb Das Entstehen der modernen zionistischen Bewegung kann, wie schon angedeutet wurde, auf zweierlei Antriebe zurfick- geffihrt werden, die zwei verachiedene Konzeptionen des Zio- nismus verursachten: Diese Erkedn'tnis, obzwar sie -. Juden and Nicih'tjuden, verkfundet w rdleri war, koniite nur sehr langsam an Boden gewinnen, da die Ideologie der Assi- milationszeit die Juden im Banne hielt.

Und dennoch, dringt man bis zur letzten psychologischen Wurzel vor, so ist es ein 'md derselbe seelische Grundtrieb, der die Juden einer- seits sich so leidenschaftlich zur Assimilation hinwenden und liber sie die hartnickigsten Illusionen machen lieB und der an- dererseits sie zum Zionismus fiuhrte: Die modernste psychologische Forschung Freud, Adler usw. Trieb als einen der primairsten und stairksten der iaenschlichen Seele erkannt.

Im modernen Juden, der sich mindergewertet und verachtet fand, ohne sich, wie es noch im Ghetto der Fall war, auf das BewuBtsein des hohen Wertes seines Judentums zurickziehen zu konnen, und der deshalb anfing, an die ihm unaufh6rlich vorgehaltene Minderwertig- keit selbst zu glauben, muBte dieser ver let zte Gel - tun g s trie b vorherrschend werend werden.

Daraus erklnrt sich die oft bis zur Groteske gesteigerte Sucht des modernen Juden nach geselschaftlicher StelhIng und die von ihm unbewuBt gebte ,,Verdrangung" aller Eindriicke, die jene Minderwertungi trotz allem besttigten, dieses nicht Sehen-, H6ren- und Zu- geben-wollen in puncto des Antisemitismus, die falschen Vor- stellungen fiber diesen wie fiber die treibenden Krfte der haltbarkeit der judischen Situation von heute ausgeht, war die verletzte Men sch enwfirde, der verletzte Trieb nach Geltung eine der psychologischen Wurzein.

Das lABt sich bei ihren Begriindern. Der Wert des Judentams Die andere Quelle des Zionismus ist das im Volke stets lebendig oder doch wenigstens latent gebliebene B ewu B tu- sein des hohen Wertesdes Judentums und der eigenle Art, die bei restloser Assimilation zum Verschwinden verurteilt sein wiirden. Hatte das Volk darum durch fast zwei Jahrtausende zur Wahrung seines Eigenlebens, zwecks Erfilllung seiner Berufung, das grBdte Martyrium der Ge- schichte auf sich genommen, um sich im Momente der Be- freiung vom iaueren Druck freiwillig zum nationalen Selbst- mord zu entschliefen?

Wir finden bei einem der friihesten zionistischen Denker, bei Moses H e die eigenartige Be- griindung des Zionismus, daB grade die Befreiung vom auBeren Druck den Juden erst die M6glichkeit gegeben hatte, ihre Nation wieder aufzurichliten, um ihre kulturellen Tendenzen voll zur Entwicklung zu bringen. Ohne diese Begrindung, aber mit ihnlichen Aspekten ifuBerte sich dieser Wille in den Kreisen einiger frommer Rabbiner, bei denert die Assimilationsperiode noch nicht das BewuBtsein der be- sonderen Berufung lsraels, seines spezifischen, von Gott be- stimmten Schicksals ertbtet hatte, und spifter bei den Kultur- zionisten.

Doch auch dieser Antrieb blieb lange Zeit unwirk- sam, denn die Assimilationsideologie hatte auch fir die Mehrzahl jener Juden, die im Judentum noch einen Wert und eine Aufgabe sahen, eine Formel gefunden, die sie mit dem bestehenden Zustand ausslhnen sollte, die ,,Missions- theorie", gem nB welcher die Juden nach dem Willen Gottes in der Welt zerstreut bleiben muiiten, um die ethischen Werte des Judentums unter den Volkern zu verbreiten: Natkirlich sind aber allgemeine ethische Ideen kein Monopolbesitz der Juden, und ein Judentum, das 1 Geh.

Eugen Fuchs in den ,,Neuen Jiidi- s. Das haben zionistische Denker immer wieder betont. Je weiter die Zeit fortschritt, desto mehr verfliichtigten sich die jiidischen Inhalte in der Erziehung, weil durch den Be- such der nichtjiidischen Schulen und durch die v6llige Ein- stellung der Juden in ein nichtjildisches Milieu die Tradition immer mehr verblassen muBte.

Die zweite Generation hatte noch die Pietait fur die Tradition, die dritte hiitte aber ,,Pietit fiur die Pietat" Kurt Blumenfeld haben missen, um an Din- gen festzuhalten, die sie nie gesehen, von denen sie nur die Viiter erzaihlen gehort hatte. Damit entarteten die wenigen ,,konfessionellen" Einrichtungen immer mehr: Oberschicht meist ginzlich entjudeter, nach Ehrenstellen strebender GroBbfirger geworden, die Rabbiner wurden von ihnen abhingige, schlecht bezahlte Angestellte, die sich durch ,Emolumente" fir kultische Funktionen ihr Einkommen ver- bessern multen.

Aus dem Fiihrer und Richter der Gemeinde, zu dem jeder das unbedingteste Vertrauen hatte, da er kraft seiner fiberlegenen Personlichkeit gewihlt worden war, wurde, nach fremdem Vorbild, ein sogenannter Seelsorger". Der Synagogendienst wurde nach protestantiscAem Muster ,,reformiert", wobei einige Gemeinden so weit gingen, nicht nur alle Erinnerungen an Zion aus den Gebeten zu eliminie- ren, sondern sogar das Hebriische volikommen durch die Landessprache zu ersetzen.

Der Religionsunterricht in den Schulen wurde manchenorts zu einer Farce, da der Beruf eines Religionslehrers, der wenig verlockend war, oft nur von unzulginglichen Kraiften, Menschen von zweifelhafter Bil- dung, ergriffen wtrde. Jeder Westjude kennt diese Erschei- nungen der Entartutig: Denkt man an den beispiellosen Heroisfnis, mit dem das jiidische Volk durch zwei Jahrtauseride an dem Willen. Weltbildesi festgehalten hat, dahn fiihlt man-sich bei dem--Gedanken, daB. Verfallserscheinungen der kapitalisschen Zeit Nicht nur das Schwinden aller jfidischen In- halte aus den noch dem Namen nach jildisch gebliebenen.

Einrichtungen hat es der neu entstehenden j fi di sc h en R e-. Nur eine dunne Oberschicht der geistigen Elite des jiidischen Volkes war es, die, erfilllt von modernen Ideen, sich leiden- schaftlich den sozialen und kulturelleh Str6mungen der Zeit hingab und auf allen Gebieten geistigen Schaffens eine un- verhiltnismiiBig groBe Zahl von hervorragenden Mitarbeitern stellte.

In der Masse r Judenheit aber hatte die Eman- zipation Folgezustinde gezeitigt, die mehr oder minder als Verfallserscheinungen bezeichnet werden mfissen. Die Juden, die durch die Diasporaentwicklung fur die intellektuellen, kommerziellen und industriellen Berufe sehr gut vorgebildet waren, hatten in der aufsteigenden Klassenbewegung des Bufir- gertums eine groBe Rolle gespielt.

Vom wirtschaftlichen Auf- schwung dieser Epoche emporgehoben, wurden sie Haupt- triger der biirgerlichen Ideologie. Doch auch die Schatten- seiten des kapitalistischen Zeitalters machten sich bei ihnen wie fiberall fifihibar: Der Jude wurde so vielfach zum ,,Bildungsphilister", zum Eklektiker, zum Nachempfinder, zum Schbpfer eines geistreichelnden, aber jeder tieferen Urspriinglichkeit entbehrenden Stils in Journalistik und Literatur. Er, der losgerissen von seinem geschichtlichen Erbe, ohne natiirlichen, volkhaften NAihr- boden mitten in eine nichtjfidische Sphiire gestellt war, er- schien deshalb den V61lkern vielfach als ein ,,Element der Dekomposition"2.

Auch die and e r n V 6 1 k e r haben durch die kapitalistische Entwicklung eine Lockerung ihres organi- schen Gefiiges erfahren: Aber je mehr diese Entwicklung als unerwiinscht empfunden wurde, desto mehr wurde der Jude als ihr Exponent angesehen und fuir sie verantwortlich ggmacht. Mit Unrecht, denn die Juden waren, ihrem eigenartigen Schicksal zufolge, nur die vor- geschobensten Posten dieser Entwvicklung, und sie stellten auf der anderen Seite, wie schon erwivhnt, zu der Schicht der geistig Produktiven, der sozial Fortgeschrittenen, der kiinst- Ierisch Interessierten, der grolien Wirtschaftsfiihrer ein Kon- 2 Der Ausdruck stammt von Theodor Mommsen, der von den Juden als einem ,,Ferment der Dekomposition" spricht.

Er bedeutet Auflockerung, ja Zersetzung des sozialen Ge- fiiges. Mommsen selbst hat aber eine solche Funktion der Juden als f6rderlich erklirt. In seiner Schrift ,Auch ein Wort fiber unser Judentum", die als Antwort auf Heinrich Treitschkes ,,Ein Wort fiber unser Judentum" beide Berlin erschienen ist, deutet er den Ausdruck dahin, daB die Juden im neuen deutschen Reiche ,,ein Element, nicht sowohl der nationalen als der Dekomposition der Stamme" dar- stellen, indem sie am notwendigen Abschleifen der Stimme aneinander mitwirken und so der Herstellung der deutschen Nationalitdt f6rderlich sind.

Aber well sie auf der ganzen Linie, im kapitalistischen und im sozialistischen Lager, in der Presse, in der Wissenschaft, in der Kunst alle Licht- und Schattenseiten des neuen Typus am ausgeprigtesten aufwiesen, richtete sich der Unmut des Volkes gegen sie. Trotzdem verschlossen sie sich hart- nackig den neuen Erkenntnissen, zu denen die zionistischen Denker verm6ge ihrer vorurteilslosen Untersuchung der Ju- denfrage gelangt waren. Begreiflicherweise, denn die zip- nistische Idee verlangte von den Juden, die sich in ihrer gegebenen Lage gesichert und wohl fiihlten, eine v6llige Umw ii1 z u n g in ihrer Lebenshaltung, den heroischen Ent- schluB, sich unter Entbehrungen und Anstrengungen ein neues Leben zu schaffen.

Wie immer und fiberall wollte die indifferent, ideallose Masse in ihrem Behagen, ihrer Tragheit und Denkfaulheit nicht gest6rt werden. Am heftigsten wurde der Zionismus von denjenigen abgelehnt, die sich als Fiihrer des Judentums fiihlten, von den Gemeindegewaltigen und ihrem Anhang. Es war merkwiirdig, daB sich gerade diese Kreise gegenilber dem Zionismus als Vorkaimpfer der Assi- milation gaben, sie, die in ihrem ganzen Habitus die Erbenr des Ghettogeistes waren. Innere Unfreiheit, Furcht, seelische Verkriippelung, Verzerrung aller natirlichen Form, Selbst- zufriedenheit, Sucht nach iiuBeren Ehren ,,Kowed" , Krieche- rei vor den Miichtigen, Wohltatergeste nach unten, alle diese Ziige, die der wirklich emanzipierte Jude und ebenso der Zionist als traurige Erbteile des Ghetto in sich zu iiberwindent trachtet und in seiner Umgebung bekiimpft, sie gaben vielfachl den Verwaltern der wenigen noch vorhandenen jiidischen Ein- richtungen die Signatur.

Auch dies ist eine Folge der inneren Zersetzung, die das Judentum durch Emanzipation und Assi- milation erfahren hat. Durch sie hatte der geistig und viel- fach auch moralisch hochststehende Teil der Judenheit mit allem Jiidischen gebrochen, und dort, wo man noch am Juw dentum festhielt, waren die wahrhaft groBen jiidischen Tra- ditionen, das bedeutende geistige Erbe der jiidischen Vergan- genheit nur mehr in verzerrten, kaum wiederzuerkennenden Formen erhalten geblieben, weil ihre lebendige Weiterent.

SSll ng a Palastina Wie alle lebendigen Inhalte des Judenfums sicf immer fiiehr,verfliichtigt batten, so war ;es auchi vorbei mit der zeritralen Stellung P al s tin a's im Gefiihlsleberi der west- lichen '"Juderi. Im Osten, wo die Assimilation noch wenig 'Fortschritte gemacht hatte, war dies zwar nicht in so hohem MaBe der Fall wie im Westen; dennoch war auch dort in den ffihrenden Schichten und bei eineem Teil der Jugend infolge der leidenschaftlichen Sehnsucht nach rechtlicher' "'Emanzi- pation, d. In friiheren Zeiten war das BewuBftsein der Juden, iBt der Galuth zu sein, und die Hoffnung, -dereinst heimzu-' kehren, der Hauptgrund fir ihre gewollte Absonderung gewesen.

In den ersten Jahrzehnten des Kampfes der Zionistei1 um die Durchsetzung ihrer Ideen, den sie als kleines, schwaches Hduflein gegen eine erdrdickende rjdische Ma- joritt zu ffihren batten, innerhalb welcher sich fast alle Michtigen des Geistes und de esBesitzes befanden, haben sie oft in sehr einseitiger Weise die ,,Assimilanten' angel griffen und ihnen u. Sie bedachten nicht, daB die Assi- milation der Juden zwangsweise bedingt ge- w e sen ist, daB sie vielleicht auch ein notwendiges Durch' gangsstadium bedeutet.

Die MiBversthndnisse fiber die Er-' scheinungen der Assimilation, die schuld an dieser Haltung sind, bestehen vielfach noch heute und bediirfen deshalb einer Klarung. Besseres Verstehen der Assimilation Dreierlei Aspekte der Assimilation miissen untterschiedenl werden: Die Assimilation als geschichtliche Tat- sach e. Diese ist filr jede national oder kulturelle Minder- heit, die zerstreut innerhalb einer andersnationalen Mehrheit wohnt, eine natiirlich bedingte, zwangsliufige Tatsache, die sich jeder ethischen Bewertung entzieht.

Die Assimilation im Spiegel des BewuBt- seins. Die assimilierten Juden fiihlen sich als Deutsche, Polen usw. Auch hier liegt ein Phinomen vor, das, soweit es in der ehrlichen Ueberzeugung der assimilatorischen Juden begriindet ist, nicht zu einer moralischen Minderwertung berechtigt. Eine aggressive Be- kimpfung dieser Gesinnung wird naturgemdif von ihren Tra- gern als ein ungerechtfertigter Angriff empfvnden, fiihrt daher zu trotziger Selbstbehauptung und heftiger Gegen- wehr. Nur durch Erweckung und Stirkung der verblaBten jiidischen Inhalte, Werte und Zusammenhange ein Weg, den der Zionismus eingeschlagen hat kann diesen sich assimiliert fihlenden Juden das BewuBtsein vermittelt werden, daB die tiefste Grundlage auch ihres Wesens das jiidische Erbteil ist.

Die Assimilation als gewolltes Ziel, als P ro gram m. Die Assimilation hunter diesem Aspekt und die auf ihrer Grundlage geffihrte Politik der Juden wiirde, wenn sie in vollem AusmaB durchgesetzt werden konnte, zum vblligen Aufgehen der Juden hunter den Vl1kern fiihren. Die Zionisten miissen diesen Willen und diese Politik bekdmpfen, weil sie sie in doppeltem Sinne als abwegig ansehen: Die Zionisten bedachten bei ihren Angriffen gegen die ,Assimilanten" auch nicht, daB es eine tiefe jiidische Dis- posit ion, die messianische, d.

Der Zionismus, der das jfidische Nationalgefiihl neu zu wecken und zu stirken unternahm, wurde deshalb von den ,,Assimilanten" als ,,reaktionir" empfunden. In ihrem universalistischen Stre- ben, das in den verflossenen Jahrzehnten durch die Ideolo- gien des Liberalismus und des Sozialismus noch bestiirkt wurde, sind richtige und unrichtige Elemente miteinander vermischt. Das Ideal der befriedeten und geeinten Mensch- heit ist zweifellos jiidischen Ursprungs, es ist von den jiudischen Propheten formuliert und proklamiert worden.

Doch diese konstituierten die ,,Menschheit", wie es nicht anders m6glich ist, als einen Bund freer V61ker, nicht als eine Addition einzelner abstrakter Individuen3. Zwar gilt fur den Bereich der Ethik der von alien h6herstehenden Religionen angenommene Grundsatz, daB alle Menschen gleich sind und fur ihren Wert nur die sittliche Qualitit ent-- scheidend ist.

In der geschichtlichen Realitit aber ist die Nation eine Natur- und auch eine Rechtstatsache. Der Weg des Einzelnen zur Menschheit kann diese Stufe nicht iber- springen. Die Vorstellung, daB der Zionismus reaktionir ist, weil er eine jfidische Nation konstituieren will, entbehrt des- halb jeder Begrindung.

Die Assimilanten baben allerdings eingewendet, daB die Juden sicherlich keine Vollnation seien und doch schon des- halb ein ,,nationaljildischer" Standpunkt abwegig sei. Allein die Zionisten haben nie behauptet, daB die Juden von heute eine Vollnation sind wire das der Fall, so gaibe es keinen Zionismus. Die Juden besitzen vielmehr viele Attribute einer Nation gemeinsame. Abstammung, Geschichte, Religion, Tra- dition usw.

Der Zionismus erstrebt, die Juden wieder zu einer Vollnation zu machen, ihnen die zu einer solchen fehlenden Attribute zu erringen, um da- durch die Renaissance des jildischen Volkes und die L6sung der Judenfrage herbeizufiihren. Die Idee, daBl die Juden, die damals einen so hervorragenden Anteil an der wirtschaftlichen und geistigen Entwicklung der V61ker nah- men, die immer weiter nach aufwirts zu fiihren schien, ihre Berufe und Wohnsitze in den- Kulturlindern verlassen und in ein kleines,'rfickstindiges, hunterr der Willki rherrschaft. Land ziehen sollten, erschien wie 7eine Phantasterei romantischer Schwirmier, ,iber.

Man entdeckte auch, daB Palistina zu klein sei, um alle Juden aufzunehmen, als ob das je im Programm des Zionismus gelegen gewesen ware. Sein Streben geht vielmehr auf Grfindung eines jiidischen Zentrums, das durch innere Umkehr und auBere Leistung erarbeitet werden soll. Der Zionismus ist deshalb als Fer- ment und unaufh6rlich wirksamer dynamischer Faktor zu verstehen und zu werten, und keine statische Betrachtungs- weise wird ihm gerecht. Aber dieses billige Argument, daB Palastina das jedenfalls Millionen von Juden fassen kann ein kleines Land sei, geniigte lange Zeit selbst hochgeistigen Juden, um die zionistische Bewegung als nicht ernst zu nehmende Verirrung einiger Querkopfe zu be- zeichnen.

Als aber der Zionismus von Herzl zu einem politischen Faktor erhoben und von den Miichtigen der Welt als ver- handlungsfiihig betrachtet wurde, muBte man ihn wider Willen ernst nehmen, der Kampf gegen ihn nahm heftige Formen an, was nach der damaligen Lage nur zu begreiflich war. Denn hunter ,,Zionismus" im weitesten Sinne sind alle jene Bestrebungen zu verstehen, die auf die Wiederverwurzelung der Juden als Volk in Paliastina abzielen.

Der Zionismus hat daher in irgendeinem Grade die Voraussetzung, daB die Verwurzelung der Juden in ihren Wohnlandern nicht wiinschenswert oder nicht restlos realisierbar, ferner die zweite, daB Palaistina die Volksheimat der Juden ist. Die erstgenannte Voraussetzung, die mehr oder weniger an das Galuthbewultsein ankniipft, muBte die heftigste Ablehnung fast aller Juden finden, insolange sie noch an die M6glich- keit einer restlosen Eingliederung in die Nationen glaubten, unter denen sie lebten.

Sie bedrohte die Lebenslilge, mit deren Hilfe die Juden sich leidenschaftlich bemilhten, fiber Kraft, Umfang und Tiefe der antijildischen Bewegung sich zu tauschen. Anders die zweite Voraussetzung. Wo Juden noch irgendwie, und sei es auch im geringsten MaBe, mit dem historischen Judentum in Gefiihlsverbindung geblie- ben sind, sei es durch Religiositdit, sei es durch Stolz auf die groBe Vergangenheit, ist ihnen Palaistina, das alles Sch6pferische und Starke des Judentums geboren hat und an das sich die Zukunftsverheiflungen ffir das jiidische Volk knilpfen, wenn auch nicht mehr, wie einst, das Ziel der Sehnsucht und des Hoffens, so doch noch ein Wert.

Diese Zionliebe war im Verlaufe der fast zweitausendjihrigen Diasporageschichte kein bloB passives Geffihl gewesen, son- dern sie hatte die Juden immer wieder zu aktiven Taten efiuhrt. Die Faden, die die Diaspora mit Palistina ver- anden, waren deshalb nie zerrissen worden, das Land spielte in der Geschichte der Diasporajuden eine gewichtige Rolle.

Die Wiedererweckung der Zionliebe war nur m6glich, weil sie im ,,Gediichtnis der Rasse" so starke Spuren eingegraben hatte. Zum Verstiindnis des modernen Zionis- mus ist es deshalb n6tig, die Intensitdt jener Verbundenheit zu erkennen. Wir fanden schon eine zionistische Bewegung und eine Zionistische Organisation vor, die um uns warb, uns in ihren Bann zog. Sie waren Zionisten gewordeno teils unter dem EinfluB von jungen Zionisten aus dem Osten, die damals in Berlin studierten, wie Motzkin, Schmarjah Lewin, Weizmann, teils wohl aus dem Gefoihl fur jildische Wilrde und jildische Ehre, das in assimilierten deutsch-jildischen Kreisen um die Mitte der neunziger Jahre wach geworden war.

Auf diesen kleinen Kreis junger deutscher Juden muBte das Auf- treten Theodor Herzls wie eine Befreiung und Erl6sung wirken; er verkiindete vor der Weltbffentlichkeit, was sie auch schon in kleinen Kreisen diskutiert hatten, er reprasentierte den neuen Typ des jiidischen Politikers, den sie ertraumt hatten; kein Wunder, daB diese Gruppe deutscher Zionisten von An- fang an ergebene Jiinger Herzli wurden und es fiber seinen Tod hinaus blieben.

Herzls Auftreten gab ihnen den Schwung, der sie nun zu begeisterten und begeisternden Propagandisten der zionistischen Bewegung machte, ihnen eine Beredsamkeit verlieh, wie sie nur den Aposteln junger Bewegungen eigen ist. Diese Handvoll Studenten brachte das deutsche Judentum in Aufregung. Aber die groBe Masse der deutschen Juden versagte sich ihnen; in den Zionistischen Ortsgruppen fanden sich fast durchweg junge Akademiker und nur ausnahmsweise einige junge Kaufleute und kaum ein deutscher Jude in ge- reiftem Alter und biirgerlich gefestigter Stellung.

Ffir Jahrzehnte stellten dann die in diesen studentischen Ver- blinden durchgebildeten Zionisten die Filhrer und Unterfiihrer in der Zionistischen Vereinigung filr Deutschland. Die Zionisten waren damals in Deutschland eine enge Gemeinde, ohne groBe innere Diffe- renzierung, untereinander verbunden durch pers6nliche Be- 'kanntschaft und die Gesinnungsgempinschaft, eine, groBe Familie.

So war es etwa urm die Jahrhundertwende his zumr. Es began die innere Differenzierung und Vertiefung der zionistischen Auffassung. Die Auseinandersetzung zwischen dem ,,politischen" und ,,praktischen" Zionismus setzte auch in Deutschland ein und unter dem EinfluB einer jungen Gene- ration Blumenfeld, Felix Rosenbliith, Lichtheim setzte sich die ,,praktische" Richtung durch. Diese junge Generation fand nicht mehr Befriedigung in der bloBen politischen und propa- gandistischen Betditigung, insbesondere nachdem klar gewor- den war, daB das zionistische Ziel nicht schnell durch einen roBen politischen Erfolg erreicht werden konnte.

Man er- annte, daB der Zionismus als die national Bewegung des jiidischen Volkes nicht nur politische Arbeit und propagan- distische Verbreitung verlangte, sondern auch Renais- sance des juidischen Geistes, Bemfihung um die K u1- tur gehalte des Judentums. Man erkannte, daB gerade die assimilierten deutschen Zionisten nur durch Bemithung um die juidischen Kulturgehalte den AnschluB an das juidische Volk finden k6nnten. Damals fanden die Ideen von Ach a d Haam und Buber Eingang in weiteren Kreisen der deut- schen Zionisten, insbesondere der zionistischen Jugend; es begannen die ersten Bemiihungen um die hebraische Sprache, die dann spater zur Grufndung der hebraischen Sprachschule in Berlin fiohrten.

Damit began eine neue Epoche zionistischer Jugendbewegung und des deutschen Zionismus uiberhaupt. Eine straff gegliederte Organisation bildete das Rickgrat der Bewegung; eine stetig wachsende Jugendbewegung schuf inneres Leben und Entwicklung; die Fuihrung der Zionistischen Weltorganisation war organisato- risch aber auch geistig in Berlin in den Handen des deutschen Zionismus Warburg und Hantke im Verein mit Jacobsohn, Sokolow, Levin, Tschlenov.

Diese Entwicklung wurde vom Weltkrieg unterbrochen. Ein groBer Teil der zionistischen Jugend, vor allem der Fiihrer, zog ins Feld; die Arbeit der Jugendorganisation wurde nur notdiirftig und mit unzureichen- den Kraften aufrechterhalten; der Zusammenhang mit dem Weltzionismus wurde fast v6llig unterbunden; nur in leisem Echo drangen die politischen Bemuihungen um Palaistina von Weizmann und Sokolow, die zur Balfour-Deklaration fiuhrten, zu den deutschen Zionisten.

Die zionistische Jugend, die hunter dem Eindrucke des Kriegserlebnisses herangewachsen, war, gruppierte sich nach dem Krieg neu unter starkerer Betonung des Ideals der Chaluziuth und des Strebens zur Alijah. Fiir die Arbeit des biirgerlichen Zionismus in Deutschland waren in dieser dritten Phase seiner Entwicklung bestimmend die Erkenntnis der Be- deutung der nationalen Fonds und die Kooperation mit der palastinensischen Arbeiterschaft.

Der Keren Hajessod hatte von Anfang an seine treuesten Anhiinger in Deutschland; wohl in keinem Lande nahm man das Maasserprinzip so ernst wie hier. Die Erkenntnis der Bedeutung des nationalen Koloni- sationsfonds fiihrte auch in Deutschland allein zu einer echten Kooperation mit Nichtzionisten in der Arbeit fir den K. Die gleiche Grundhaltung, die die deutschen Zionisten in ihrer Arbeit fur den K. Dieses Verhailtnis erlitt die erste Triibung, als die deutschen Zionisten angesichts der immer gr6ler werdenden Differenz zwischen Einnahmen und Aus- gaben und der immer mehr anwachsenden Schuldenlast eine wirtschaftliche K onsolidierungspoliti k als notwendig erkannten und forderten.

Ergab sich bei dieser Gelegenheit ein Gegensatz zwischen deutschem Zionismus und Arbeiter- schaft, so trat einige Jahre spaiter eine Spannung zwischen dem deutschen Zionismus und der groBen Mehrheit der zionistischen Welt ein, als nach den Ereignissen des Jahres von einem kleinen Kreise der deutschen Zionisten, den man aber als ffir den deutschen Zionismus representative ansah insbesondere weil auch die ,,J. Von den zionistischen Kritikern des deutschen Zionismus wurde hiufig die fehlende Verbundenheit mit Pa- 1 i st in a und bei den biirgerlichen Zionisten der Mangel.

In dieser Beziehung brachte das Jahr eine entscheidende Wendung. Zionismus ist jetzt ,,pal istinaverbunden" wie nur irgendeine Gruppe der Weltjudenheit. Noch hat sich diese Verbundenheit nicht im vollen Ausmalle ausgewirkt, weder in Paliistina noch hier; die nach Palistina fibergesiedelten Zionisten sind noch zu sehr von den Sorgen der Uebergangszeit, den Spannungen, die die Einwurzelung mit sich bringt, in Anspruch genommen.

Sind erst diese Uebergangsschwierigkeiten fiberwunden, so k6nnen wir auf eine neue Epoche in der Entwicklung des deutschen Zionismus rechnen, die dann einen eigenen wert- vollen Beitrag liefern wird filr den Aufbau unseres Landes und fiir die Zionisierung der Golah. Zwei Vierzigjiihrige griuBen sich heute: Um dieselbe Zeit, da die Rundschaun wenn auchiicht gleich in die behagliche, selbsttriigerische Ruhe des d'eut- schen Judentums vorst6Bt, erblickt die erste nationaljiidi- sche Studentenvereinigung das Dunkel der jiidischen Welt.

Mit Kultus-, Wohltiitigkeits- und Abwehrbetrieb vollauf be- schMftigt, iibersieht das offizielle Judentum geflissentlich die Sturmzeichen der 80er, der 90er Jahre. Aufregung und Sorge ist nicht n6tig: Aber in empfindlicheren Herzen brennt die alte Wunde. Im Osten Europas schwerwuchtende Judenverfolgungen mit Pogromen und sozialer, wirtschaftlicher, seelischer Aech- tung, im Westen bald miilige, bald stirkere ErdbebenstBe - und trotzdem in weiten Schichten des jildischen Bfirger- turns hemmungslose Assimilation: Im Kampf um die Ideale Und Ausgangspunkt dieser jiidischen Zukunftsbewegithg in Deutschland wurde, wie so oft im nationalen Leben der V61ker, die akademische Jugend, in der sich Ehrbegriff, Freiheitsdrang, Erkenntnistiefe und Kampfwille jugendkrif- tig verbundeten.

Ein gutes Programm, aber nur ein halbes; es h6rte da auf, wo es anfangen sollte: Es verlor und vergaB sich im Negativen, entbehrte eigene jii-. So konnte, bei aller Komment- und Mensur- freudigkeit, Sterilitit in judaicis nicht ausbleiben. Ein anderes Bild von jiidischem Leben in der Brust, eine andere Konzeption, eine weitere, umsichtigere, vor allem lebens- und tatfrohere, von jildischer Zukunft vor dem Auge, traten in Berlin einige junge Studenten auf den Plan und schufen eine neue jiidische Kampffront.

Sie waren enttiuscht von dem Mangel an Konstruktivitiit, der die bisherige Behandlung der Judenfrage beherrschte. Sie waren erfilllt von dem noch nicht organisierten Herzens4 zionismus des jiidischen Ostens. Ihnen schwebte wie den in Deutschland studierenden Freunden in und aus RuBland, die in 20 "Jahren die Fiihrer des Weltzionismus werden sollten, jener realistische Wunschtraum vor, fur dessen Ver- wirklichung zwei 'Jahre spater Herzl die feste Form der politischen Organisation schuf.

Verbindungen und Verblindungen Dieser Berliner ,,Verein. Selbst der national Charakter tritt im Program noch nicht ausdriicklich hervor. Jedenfalls bot sie breiteste Werbem6glichkeit ein wesentlicher und gut- genutzter Vorzug. Aber in der gradlinigen Erziehung der, Mitglieder zu ihres Judentums bewuBten und frohen Men- schen, die ,,an der Ent7wicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen" in diesen beiden Begrif- Nr.

Gestaltung der jfidischen Dinge diingt der positive Kern der Protesthaltung durch die Schale des neutralen Programms hindurch, liegt der Bruch mit der balbattischen Vergangenheit, der grundsiitz- liche Unterschied zu allem, was bis dahin in Deutschland war. Die deutsche Judenheit wird, manchmal etwas un- sanft, aus dem Ddmmerschlaf gerfittelt. Schulter an Schul- ter, meist in Personalunion mit den eigentlichen zionisti- schen Parteistellen, wird von den Fiihrern des B. Mit den deutschen Juden wird exer- ziert, innerhalb und auBerhalb des Studentenbundes.

Neben die Festigung des jiidischen Charakters der Bun- desbriider als innere Arbeit der Verbindungen und neben den zionistischen Aufklirungsfeldzug trat eine doppelte Ab- wehr auf dem iiuBeren akademischen Fechtboden: Wir woliten als Juden nicht minder bewertet werden, wir wollten als Juden aber auch nicht unkenntlich werden: Diese Kimpfe vollzogen sich in Berlin jahrelang im Rahmen der Wahlen zur Akademischen Lesehalle; und von ihnen wurde auch manche jildische Akademikergruppe gestreift, die, ohne ,,assimilantisch" zut sein, doch der groBen jiidischen Verantwortung sich nicht gewachsen zeigte.

Manche Riva- litiitskimpfe, damals aus dem natfirlichen Partikularismus einer expansionsfreudigen Jugend verstandlich, heute freilich teilweise komisch wirkend, verhinderten nicht, da. B die beiden Bruderbiinde sich langsam entgegenwuchsen. Oef6rdert wurde diese zionistische Zentra. Als Herzls immerwaches Fiihrerherz gesprungen war, das erste schwere Opfer auf dem Altar des Zionismus, empfanden seine Anhanger die Notwendigkeit ver- doppelten Einsatzes fiir die Idee, hdirtester Anstrengungen ffir ihre Ausbreitung, verstairkter Aktivitdit und Intensivierung.

Einer neuen Jugend, die den politischen Zionismus voll in sich aufgenommen hatte, genigte das alte BJC. Die junge M a c c a b a e a reiBt das Erbe der Fuihrung an sich. Nach jahrelangen Tendenzkdimpfen, die, wie es Menschennatur ist, sich nicht nur um Ziele und Wege, sondern leider auch umrn Personen drehten, streife der BJC. Verschmelzung mit dem KZV. Ein menschlich geschlossener Kreis von fiber tausend Akademikern war sich bei manchen Divergen- zen im einzelnen einig fiber die Ursachen der seelischen und materiellen Judennot, einig fiber die Unm6glichkeit der Assimilation, und selbst, wenn sie m6glich wire, einig in ihrer Ablehnung aus Griinden nationaler Wiurde und Hoff- ung; einig in dem Willen, jeder zu seinem Teil an der Erneuerung des jildischen Volkes mitzuhelfen; einig im Stre- ben, als charakterliche und politische Vorbedingung in sich selbst alle jfidischen Krifte zu mobilisieren, und einig in der Einordnung ihrer Person in die Arbeit der zionistischen Gesamtheit.

Wieder str6mte, wie zwei Jahrzehnte zuvor, Segen aus der Beriihrung westlichen Nationaljudentums mit dem volljildischen, zion-nahen Leben des Ostens. Eine ver- gessene Heimat hatte dort jiudische Inhalte erschlossen, eine neue Volksheimat, Palistina, rilckt jetzt naher, wird, vor ffint Jahren noch romantischer Traum, tagtiiglich wach- sende jildische Wirklichkeit.

Der jii- dische Wanderbund ,,Blau-WeiB", von den gleichen akademischen Kreisen zur Erfassung der nicht und noch nicht akademischen Jugend gegriindet, und voriibergehend in Arbeitsgemeinschaft mit dem KJV. Es ware fibertrieben zu sagen: Aber Wander jahre kommen. Die alien Formen des Kartells geraten in FluB. Der studentische Betrieb, schon lange nur als notgedrungenes Beiwerk, bestenfalls als Er- ziehungsmittel mitgeschleppt, gleitet in die Rumpelkammer; die Alijah,: Immer stiirmt Jugend ungestiimer, bedenken- und kom- promiflloser, als die ailtere Generation vertriigt und gutheiBt; simmer bewahrt diese dnrch den Hemmschuh, den sie demrn rasenden Wagen anlegt, vor Absturz und Unfall.

Aber Zion wird nicht durch Besessenheit und nicht durch Besinnlich- kqit erlist, sondern durch Bes on nen h e it. Oenug, daB die Einheit der zionistischen Akademikeschaft, ia den Jahren nach dem Krieg wiederholt bedroht und sogar jahre- lang durch Absplitterung 'eines audh in der Auffassung des Zionismus differenzierten ,,Bundes Zionistischer Kor- poratione n" BZK.

Die Fortexistenz eines Kartells jiidischer Verbindungen ohne jiidische Verbindun- gen im alien Sinn, ohne Nachwuchs erschien zweifelhaft. Aber fiber Auflbsungstendenzen siegte der zionistische Ge- samtblick: Dienst am Lande, nichts weiter, und Erziehung dazu. So war es orga nisatorisech: Die Bewegung schuf den KJV. So war es ideologisch: Aber es charakterisiert ihn besonders, daB er mit an- deren Str6mungen und Prozessen recht innig verknilpft ist und sich dieser Verbindung und Verbundenheit bewulft ist. Er ist zunigchst ein Teil der iiber die ganze Welt ausgebreiteten Bewegung, die die Renaissance unseres Volkes in Palastina auf der festen Basis der Thora erstrebt und in der nationalen Gemeinschaft der Heimat den Konservatismus des religi6sen Lebens in der Diaspora durch eine schbpferische Aera, die aus der Fiille der Ueberlieferung die reichen Potenzen einer Aktualisierung entgegenfiihrt, ersetzen und iiberwinden will.

Aber auch die besondere Vergangenheit der deutschen Juden- heit und ihres gesetzestreuen Teiles bestimmt die Richtung des reli gisen Zionismus mit. Endlich hat die Arbeits- und Schicksalsgemeinschaft mit dem allgemeinen Zionismus wesent- lichen Anteil an der Physiognomie des deutschen Misrachi. Im Misrachi konzentrierten sich die Bemiihungen um eine religi6se Fundierung und Realisierung des Zionismus.

M8gen auch in anderen Lagern der Zionistischen Organisation ge- setzestreue Menschen: War auch damals der' Umfang der Arbeit bescheiden, so bedeutet doch die von hier aus be- triebene Griindung der Tachkemoni Schule den Beginn des heute stark entwickelten misrachistischen Schulwerks. Ent- scheidender aber war die Aktivitait einiger Pers6nlichkeiten grolen Formats, hunter denen der heimgegangmene Rabbiner Dr.

N o b el ungeachtet seiner Jugend einen besonderen Rang einnahm. Ffir die Geschichte des deutschen Misrachi hat er eine doppelte Bedeutung: Dann aber ist er uns gerade in seinem Wirken in der Nachkriegszeit, in seiner Haltung Vor- bild geworden ffir unseren Weg, ffir unsere Beziehung zu den grundsaitzlichen und aktuellen Fragen des Zionismus, ffiir un- sere Einstellung zu den anderen Gruppen. Ich kann nicht alle nennen, deren Verdienste um den deut- schen Misrachi bleibend sind. Struck und beide Barth haben neben anderen um die Erneuerung und den grolen Aufschwung aulncrordentliche Verdienste.

In die ersten Jahre nach dem Weltkriege fillt der Versuch, die gesetzestreue Judenheit, die ja nun bereits mannigfach organisiert war und deshalb schon. Der Erfolg war nicht iiberwil- tigend, aber doch beachtlich. Adler offiziell mit der Leitung der Geschifte Betraute noch einmal die entscheidenden Punkte unserer Arbeit bezeichnen.

Wir haben versucht, fiber die doppelte Pro b I em at i k d er Ju d e n heit und ihres traditionstreuen Teils aufzuklii- ren, iiber den Zusammenhang zwischen Judenfrage und dem Problem des Juden t u m s, das uns besonders angeht, zu be- lehren. Wir weckten Sinn und Liebe ffiir die Gesamtheit unseres kul- turellen Besitzes, fiir die hebriiische Sprache und strebten eine Die Zionistische Organisation hat von jeher Minner und Frauen die gleichen Rechte gewiihrt.

Trotzdem sehen wir, daB von Anfang an, also kurz nach der Begriindung des modernen Zionismus, auf dem I. Lina Wagner T'auber grfindete damals die ,,jfiu- disch-nationale Frauen-Vereinigung", die es sich zur Aufgabe machte, die Frauen enger mit der nationalen Auffassung vom Judentum zu verknfipfen und weitere Kreise daffir zu gewinnen.

AuBerdem richtete sie Ferienunterbringung fiir hinder ein und versuchte, ihnen die jildischen Feste durch sch6ne, gemeinsame Feiern lebendig werden zu lassen. Aus dieser Arbeit ist spater das Kinder- und Jugendheim Ahawah entstanden. Und das war so nicht nur aus den notwendigen sachlichen Gruinden, sondern ergab sich aus den Person- lichk eite n: Beide Orchester spielten das. Ehe das groBe Werk der nationalen Verschmelzung det verschiedenen Judenheiten, die ins Land kommen, gelun- gen ist, werden noch Jahrzehnte vergehen; bis dahin werdjen die einzelnen ,,Landsmannschaften" noch sehr differenzierte Aufgaben drdiben zu erfillen haben, je nach Herkunft, Vor- bildung und nationalem Einfihlungswillen.

Wird von den Eingesessenen nur allzu oft die Forderung ausgesprochen, die neuen Einwanderer haben sich, unter Verzicht auf noch' so selbstandige Vergangenheit, bescheiden den ohne sie ge- wordenen Verhiltnissen des Landes ein- und unterzuord- nen, so darf dem entgegengehalten werden, daB die deut- schen Juden, und unter ihnen vielleicht gerade die KJV. Die Opferwilligkeit suchten wir zu weckeLn. Fr i die groBen Fonds traten wir ein, und unsere eigenen Unter- nehmungen lieBen wir nicht Not leiden. Unsere J u g en d erkldirten wir ffir mfindig.

Sie ist hin-, fort nicht in Jugendgruppen organisiert, sondern stellt emne ebenbiirtige Einheit dar: Die friih begonnenen Hachschara-Versuche erstarkten allmihlich, und die Reihe Betzenrod, Rodges, Gehringshof geh6rt zu dem Erfreulichsten. Aber auch das ist gewiB nicht gearing einzuschftze! Es gibt giewiB al' weicheiindife Meinunfgen innuerhalb des Misrachi auch: Aber eg darf doch gesagt werden, daB inrkeinem anderen Lande der allgemeine Misraoci so sehr zum Verstindnis des zur Verwirklichung strebenden Zair gelangt ist wie in Deutschland. Auch hier gab es Schwano kungen.

Es warren Zeiten, da die fibrigen Gruppen uns ohne fiber-' milBige Sympathie gegeniiberstanden, und auch im misrachisti- schen Lager gab es zeitweilig nicht nur Opposition, sonderdn die Neigung, die Gemeinschaft in dieser Form nicht fortzuot setzen, sondern den Dachverband zu bevorzugen. Es ist nochi in der Erinnerung aller, wie in den letzten fiinf Jahren das wechselscitige Verstindnis wuchs und eine begliickende Fretmd- schaft die Gruppen einander naherte.

Dieser Zustand hat sich bewvihrt und hat die Anerkennung auch deer gefunden, die mneinen Freunden und mir ihre abweichende M-inung entgegenstellten. Nicht nur die Gesamtheit, auch die Partner haben Nutzen aus diesem Zustand gezogen. Auch unsere Hachscharah verdankt dem organisatorischen Bfindnis viel, und auch in der Alijah sieht es in Deutschland besser aius als anderwdrts. Nicht zuletzt dar der Misrachi sich dessen freuen, daB man in der Kulturarbeit seinen Menschen tnd An- schauungen bereitwilliger als anderswo das Ohr Iesht.

Es ist keine Frage, daB grade diese Chance, die auf Wechselwir" kung gegrfindet ist, ffir uns eine grofle Hoffnung bedeutet; denn es ist leider keine SelbstverstAindlichkeit, daB Vertreter von Gruppen, die sich religi6s und kulturell so auseinandergelebt haben, geneigt sind, wieder geistige Pro- bleme so kritischer Art miteinander zu er6rstem.

Der deutsche Misrachi, und damit der religi6se Zionish mus, hat gerade in dieser Zeit folgenschwerster Entscheidun- gen in der jidischen Welt die Aufgabe, den schweren Weg weiterzugehen, auf dem er bisher geschritten ist. In der Volksgesamtheit, an der Seite der Trager des Renaissance4 gedankens, der in Zions Aufrichtung gipfelt, unerschitterliche gewillt, diesem Willen eine klare religi6se Orientiertmung zu geben.

Die Leitung dieses Verbandes lag in all den langen Jahrei seines Bestehens in den Hiinden bewiihrter zionistischer Frauen. Leszynsky, Frau Sonja Grone- mann und vieler anderer sind im Kreise des deut-o schen Zionismus bekannt. Die Mitglieder suchte der Frauen. AuBerdem gab es in Jerusalem drei Krankenhiuser.

Miidchenschulen gab es nur die der Alliance, in welchen die Kinder als Um- gangssprache Franz6sisch lernten, und die Schulen und Kindergarten des Hilfsvereins. Gleich im ersten Jahre des Bestehens des Kulturverbandes wurde das Krankenhafus in Jaffa teilweise neu eingerichtet; wurde noch ein kleines Krankenhaus in Haifa unter Leitung von Dr.

Elias Au er bach gegruindet und sub- ventioniert, denn damals entstanden die ersten Kolonien in der Ndihe Daganiah, Merchawiah , und Haifa selbst began sich zu entwickeln. Im zweiten Jahr des Bestehens des Kulturverbandes wurde in Jaffa eine Spitzen n ihschule errichtet, der spiter weitere Schulen in Jerusalem, Tiberias und Safed folgten. Da Iedeutete es viel, wenn die Maidchen auBer dem Verdienst, den sie gleich fanden, hebraisch lernten und gezwungen wurden, in den Naihstuben hebraisch zu sprechen; da sie teilweise nie eine Schule besucht hatten, lernten sie dort auch Rechnen, Schreiben und Lesen.

Im Jahre wurde hunter Leitung von Frau Dr. Mai- sel Schochat die erste Mdidchenlehrfarm in Kinereth ge- griindet, wo 14 Midchen in allen Zweigen der Haus- und andwirtschaft ausgebildet wurden. Diese Schule muBte leider g-gen Kriegsende geschlossen werden, da das Haus fir mili- tirische Zwecke beansprucht wurde.

Danach hatte der Kulturverband durch den Krieg seine Verbindung mit den ihm angeschlossenen Liindern verloren. Der Schwerpunkt der gesamten zionistischen Arbeit wurde nach England verlegt, und hier entstand die neue groBe zionisti- sche Frauen-Organisation Wizo, die nun die Arbeit in gr6Be- rem Malfstabe fortsetzte.

Aber auch die innere jijdische Situation hatte sich geindert, und inzwischen war auch ein reues zionistisches Geschlecht herangewachsen. Frauen aus dem Blau-Wei8 'oder dem Jiidischen Studentinnenverein her- iorgegangen, fanden kein Geniige mehr an der Arbeit des Kulturverbandes.

Die bloB durch soziale Arbeit hergestellte Verbindung mit Palaistina geniigte den junglen Zionistinnen Inicht mehr, und es kam spontan, an mehreren Orten fast gleichzeitig, zur Bildung des ,,Bundes Zionistischer Frauen", dessen Mitglieder wohl zum gro8en Teil Mitglieder des Kul- turverbandes waren. Cleichzeitig bahnte sich in Palistina die Vereinigung der Uizo mit der ,,Histadruth nashim iwrioth" an.

Als sich die Fisionierung zur jetzigen ,,Histadruth nashim zionioth", der plistinensischen Landesf6deration der Wizo, vollzog, als end- lith das Statut der Wizo so geindert wurde, daB auch nicht r: Die damals geschaffene Organisation war in kurzer Zeit bis zum Umbruch in Deutschland mit Entschlossenheit und Umsicht an ihre Arbeit herangegangen, die im wesentlichen in der Doppelaufgabe besteht, Geldmittel fiur die von der Wizo in Palastina unterhaltenen Institutionen bereitzustellen uAd Propaganda und Schulung in Deutschland zu treiben.

A 8erdem hat sie damals durch Errichtung einer Stube und Einrichtung eines Kinderferienheims, jetzt durch Einrichtung einer Niihstube zur Ausstattung von Chaluzim und Inangriff- tihme der Versorgung der Bate Chaluz praktische Aufgaben in der Galuth ilbernommen. Nun haben wir durch die veriinderten Verhiltnisse in Deutschland unsere besten und geschultesten Krafte fast aus- nahmslos nach Paliistina abgegeben; es ist sehr schwer, diesen Verlust auch nur annahernd auszugleichen, denn es gab zu wenig geschulte, mit der Tradition der zionistischen Arbeit in Deutschland verbundene aktive Frauen.

Er stellte nicht die erste oppositionelle Regung gegenilber dem herrschenden Ge- meindeliberalismus dar. Aber naGh Tendenz und Kampf- methode war er etwas absolut Neues. In der Tendenz, da die jung aufstrebende zionistische Bewegung durch uns den ihr gebiihrenden EinfluB errang, und in der Kampfmethode, da hier zum erstenmal mit der Notabeln-Politik gebrochen wurde. Hinzu kam die starke Betonung des Rechts der religi6s-kon- servativen Bev6lkerung auf Gleichberechtigung in der Ge- meinde.

Will man sich den Zeitpunkt, in dem unsere Arbeit began, recht vergegenwvirtigien, so darf man nicht vergessen, daB bei der Einweihung der Synagoge in der Lindenstrale der damalige Gemeindevorsitzende noch erklaren durfte, dies sei die letzte Synagoge der Gemeinde mit vorzugsweise hebri- ischer Gebetssprache; man wird dann leicht ermessen, welch verheerende Aufl6sung der Gedanke der Anpassung an die Umgebung mit sich gebracht hat. Aber wir sammelten nicht nur die Jungen urn uns, uns selbst war es erstaunlich, wie die Aelteren und die Alten sich uns anschlossen in dem siche- ren Gefiihl; daB hiderein neuer Weg gezeigt werde, der Zu- sammenfassung an die Stelle der Auflosung, Pflege der Eigenart an die Stelle der Mimikry, kurz, Erhaltung und Neuaufbau an Stelle des Untergangs bedeutete.

Viele, die zu uns kamen, wu8ten zunichst noch nichts von Paldistina- Bewegung und Zionismus. Sie lernten es in unseren Versamm- lungen und verstanden bald, daB der ideale Schwung dieser neu-jfidischen Bewegung mit keiner jiidischen Titigkeit ihrer bisherigen Umgebung vergleichbar war. Kampf um die Gemeinden In den Gemeindestuben Deutschlands sal3en Mainner von hohem birgerlichen Ansehen, denen aber zumeist ihre soziale Stellung, nicht ihre juidische Leistung, die Tiir zur Gemeinde ge6ffnet hatte. Im kleinsten Kreise wihlte man die Kandidaten aus, pers6nliche Beziehungen entschieden hAufig, vonr dem Gew hlten erwartete man, daB er erst bei der Arbeit sein In- teresse fiur die Gemeinde gewinnen werde.

Es wurde korrekt verwaltet. Freilich trifft diese Charakteristik nicht auf alle Manner jener Zeit zu. Auch unter ihnen gab es Menschen jiidi- scher Bildung, die den Wunsch hatten, ernste Arbeit zu listen; aber es fehlten ihnen konkrete Vorstellungen von jiidischer Zukunft. Sie empfanden und bedauerten wohl das Abbr6ckeln Gegenkraifte konnten sie nicht entwickeln.

Der Gedanke der Enthebraisierung, der Kultusreform als Mittel zur Heran- ziehung der Jugend, der falsch verstandene Gedanke von der Mission des Judentums durch seine Zerstreuung, die Ver- dfinnung der jiidischen Thora zu einer blassen Ethik ver- sagten und hemmten die jiidische Tat. Die wenigen Religi6s-Konservativen alten Schlages dran- gen nicht durch, unterschieden sich auch in der Grundauf- fassung, mit der sie das Judenturn nur als ,,Konfession" ansahen, kaum von der Mehrheit, deren Tendenzen auf buir. Uns standen anfinglich die juristischen Grundlagen der Gemeindeverfassungen entgegen.

Unser erster Ansturm multe am Pluralwahlrecht, an der fehlenden Gleichberechtigung der auslindischen Juden in vielen Gemeinden scheitern.: Ent- wicklung und jildische Grundhaltung der Berliner Jiidischen Gemeinde waren in nuce bereits entschieden, als der Schrei- ber dieser Zeilen dem Delegiertentag der Zionistischen Ver- einigung fiir Deutschland im Jahre hunter brausendem Jubel mitteilen konnte, daB Bresche gelegt sei in die bis dahin einheitliche Front des Gemeindeliberalismus, und daB er mit drei anderen Freunden unseren Gesinnungsgenossen Hein- rich L6we, Abraham L6b und Max Lewit in die Reprisen- tantenversammlung der Berliner Jiidischen Gemeinde ge- wahlt sei.

Es ist schwer abzuschiitzen, wieviel hingebungsvolle Miihe die Vorbereitung dieses Erfolges gekostet hat, in wieviel Hunderten von Zirkeln und Versammlungen wir Jahre hin- durch hatten sprechen miissen, mit mir Isaac Zwirn und unser verewigter Freund Gustav Witkowsky. Einen starken Auftrieb hatte iibrigens die Bewegung bekommen, als der jungle zio- nistische Rabbiner Dr. Emil Cohn wegen seiner zionistischen Gesinnung seines Amtes entsetzt wurde. Uwe Saeger 61 masquerade as autobiographies. That the author and the narrator are synonymous is indicated in part by the biographical correlation between the two.

But at various instances within the text, this equivalence is cemented still further. Like Saeger, the narrator is married with three children, and worked as a teacher. Crucially, each family member is named and their various attitudes to the Wende are indicated. But it is the obvious willingness of the author to identify himself so unambiguously as the narrator on other occasions in the text that is most striking, in view of his reluctance to categorise it definitively.

Metzler, , pp. By then the link has been made and is hard to sever, even if we can accept that the work is not an autobiography in any traditional sense. The opening section, by contrast, contains no specific reference to when it was written, although we can assume from its synoptic nature that it was the final segment to be completed, presumably therefore in February By virtue of its sober recording of detail, the introduction generates an impression of greater reflection and detachment, indicated best by the laconic, factual tone of the opening sentence: Reprinted in Neue deutsche Literatur, It appeared to matter little that many of these intellectuals had courted persecution or expulsion in the struggle to reform the system.

Der Literaturstreit im vereinten Deutschland Munich: That would be too definite, too certain, and the abiding impression of Die Nacht danach und der Morgen is the uncertainty, the doubt, and the despair of ever understanding why one acted as one did and whether one can ever forgive oneself. Saeger cannot claim such authority, even over his own self, and therein the core concern, and critical thrust, of Die Nacht danach und der Morgen are to be found.

The crisis thus appears all the more acute for the author. DN, As Stefan Wolle has observed, it was one of the major ironies of the GDR that its military adhered to the stereotypical Prussian model from the past, and he cites the pomp and ceremony that accompanied the changing of the guard at the Neue Wache on Unter den Linden every Wednesday afternoon: Der Leutnant musterte mich, grinste weiterhin.

DN, 11 Thus begins an obsessive, and initially perhaps slightly pretentious, preoccupation with fulfilling this promise: The inability to resolve the problem expresses itself in physical terms reminiscent of withdrawal symptoms: Spiegel Special — Das Magazin zum Thema, ed. Ich brauchte die exemplarische Situation, in die ich diese Tage bringen konnte. But his travails do not ease. The frustratingly painstaking process of transposing his experiences into fictional form is described in detail, so that the sense of disappointment with the end product is wholly expected.

But the modest therapeutic benefits in psychological terms are tempered, if not undermined, by his dissatisfaction with the initial outcome in literary terms. His original tale offered at best a partial solution to the problem, but its only concrete success was in getting him noticed by his eventual publisher. He seems pessimistic about ever finding a means of exploring the forces that have shaped his own identity, a concern for GDR intellectuals and citizens alike in a post-Wende climate marked by accusation, denunciation and Abwicklung.

Is it truly as flawed as the narrator would have us believe? In a bid to objectify his experiences, the narrator creates a protagonist, Frank, and follows him during the evening of his release from military service. Both have served at the Berlin Wall and find the return home exposes how they have changed irrevocably, and not in any positive way. Both must pay a heavy price for their time in the NVA, as their private lives are ravaged by destructive tensions. In view of the problems facing readers of the main overarching text, the parallels do not seduce one into an autobiographical reading in this instance, largely because of the attention to the fate of other characters.

For Frank, his relationship with Kathrin foundered following the birth of their daughter: Whilst Frank and his colleagues must contemplate the ruins of their private lives, they are also confronted with widespread social ignorance of what military service entailed for the young men. As Frank snaps at the two girls who flirt with him and Glogies in the station buffet: Yet it does not deter one of them from enquiring: Although it focuses solely on the first hours of his release, the screenplay indicates how problematic the readjustment to everyday life is going to be for Frank in particular, and by implication for the others as well.

As morning arrives, he collapses, a little melodramatically perhaps, on the street overwhelmed by grief and engulfed by images from his past, central to which are shots of him on duty at the Wall. It reveals how trying to provide a definitive label for the material is somewhat irrelevant, if not futile. The key concern is that the accounts should ring true as believable treatments of individual experience.

As the narrator observes: The text reveals that this rupture runs very deep, affecting his sense of self and thereby his capacity for selfexpression. Thus no one format or rendition can heal this wound, all of which might explain why Saeger should adopt an eclectic approach in the end, reflecting a, possibly futile, desire to unite disparate aspects of his identity into a more unified whole.

It is this sense of frustration that pervades the main narrative of Die Nacht danach und der Morgen. It begins - after the insertion of the screenplay - with a diary entry for 17 November Unsurprisingly, the sense of betrayal is expressed strongly as the full scale of the corruption and hypocrisy of the ruling elite emerges. The narrator remarks bitterly: Der Kapitalismus steht am Abgrund - wir sind einen Schritt weiter. His children pester him about when they can travel to the West, and already appear to have turned their backs on the GDR.

Driving home from D. Mehrmals die Verlockung, einen Baum als Zielpunkt zu nehmen. DN, This disturbingly suicidal compulsion anticipates the nightmare he suffers later that night, in which he is stoned and buried under rocks in a hole in the ground. Firstly, he is unable to rid himself of a debilitating creative lethargy, at a time when critical intellectuals could, and should in his opinion, be offering guidance: DN, The views expressed here are those shared by many GDR intellectuals and writers at this time, especially at the large demonstration at Alexanderplatz on 4 November , where luminaries such as Christa Wolf, Stefan Heym and Christoph Hein grasped the unprecedented opportunity to address the public at an open, democratic forum and called for a reformed democratic GDR.

For the plain truth is that the changing circumstances of the GDR have not only affected him politically, but also creatively, which is potentially far more damaging. Against this yardstick, the narrator has fallen a long way short. Uwe Saeger 71 Nevertheless, a string of images do emerge, despite the linguistic complexity, which conjure up an impression of the events surrounding the Wende.

Yet the mood of the poem is in no way celebratory. Uwe Saegers Prosawerk der 80er Jahre Neubrandenburg: Literaturzentrum, , pp. Structurally, the oxymoron might also suggest the ideological divide between West and East Germany, terms which until operated as political antonyms. Es ballt sich der Zeit. Und ich treib und treib und bin doch bereit Will wanken nicht und weiche doch Vorm dialogischen Gebet Hab mich nicht und will mich noch Gesellen zum Letzten der wi e dersteht. Wie leb ich weiter?

DN, The presence of the blackbird as a commentator on events echoes the work of Georg Trakl, in which the bird is often a critical or melancholic voice. Reclam, , p. Far from representing a land beyond meaning, the poem invites a reading on both a personal and political level. Its depiction of the ebb and flow of events, mirrored in stylistic devices such as oxymoron, reflects the uncertain future ahead for the GDR and its citizens.

One might argue in light of events since reunification in , especially from the perspective of eastern Germans, that the poem contains a degree of prescience. His citation of Thomas Mann would suggest that he is not advocating or seeking to adopt an overtly apolitical stance in the manner of the Prenzlauer Berg poets. The poem is an expression of frustration at not being able to engage with events, but in itself does not embody a solution. DN, For the narrator, however, there is no suggestion that the poem has helped him cure his creative block. What the poem does provide, 74 Mapping the Contours of Oppression though, is a clue to the root of the problem.

For the likes of Saeger, the erection of the Berlin Wall destroyed any theoretical hopes of an alternative mode of existence in the GDR. In effect, their world shrunk overnight. As a consequence, the lives of most of these authors followed a broadly similar pattern, with many of them trying many different jobs before finally embarking on a literary career.

The writers who belonged to the middle generation and would have benefited from the more emancipated atmosphere that many expected once the growing pains of the GDR had ceased, came to embody, and then articulate, this frustration: But it was a society that deliberately set out to shape them by controlling their formative experiences. If, as Eakin argues, our sense of self is dependent upon relational forces, at the macro and micro level, then even a critical perspective upon society can be seen ex negativo as a product of that self-same society.

Modes of behaviour and expectation had been inculcated in him. He is unable to turn his 39 Ibid. Christoph Hein was another to address the demonstration on 4 November and voice hopes of reform, rather than reunification, thereby underlining his resilient optimism. By contrast, as we have seen, Volker Braun was less sanguine. In fact, the opposite occurs: It is a relentless excoriation: Saeger had earlier made the same observation in his interview with Klaus Hammer: Ist das nun ein Schuld?

Initially directed at Christa Wolf and Was bleibt, the debate later escalated to embrace all GDR authors, and ultimately post German literature as a whole. Aufbau, , pp. This more general article is derived, in part, from his specific review in Freitag. Uwe Saeger 77 reason not to — then his self-critical analysis of the role of the writer in the GDR shows remarkable foresight. Wolf was accused of cowardice for not having published her short piece at the time of its creation, purported to be But any text that made surveillance by the Stasi its explicit theme would have stood little chance of publication in the GDR, especially in the wake of the Biermann expulsion and the cultural freeze that ensued.

Her only option would have been to publish in the West, but as Stephen Brockmann indicates: Dichter wachsen aus der Enge. DN, It would appear that his creative crisis derives largely from existential concerns, a fact that Saeger makes explicit in his interview: Fischer, , pp. It is especially illuminating in describing the reactions that emigrations unleashed in writers and readers alike. For as Brockmann outlines, those critics who were suspicious of, if not downright hostile to, politically committed literature advocated the reassertion of more aesthetic criteria after Literature […] should be a purely aesthetic game unencumbered by the heavy and oafish moralism of political commitment.

The political role of literature in the two Germanys, critics argued, was a relic from the unhappy authoritarian past, and it should be discarded as writers in both Germanys integrated themselves into a normal western 46 democracy. Naturally, for authors inured to a dogmatic perception of literature — even if it was a perception they sought to undermine or rail against — a seamless transition to a new approach is inconceivable. DN, 46 Brockmann, p. Uwe Saeger 79 The feeling that one could, and should, have done more as an author is not uncommon in work published by GDR authors after Worst of all, rather than violating any borders, either physically or metaphorically, he spent twelve months protecting the Berlin Wall for the State.

And therein lies the root of his debilitating personal crisis. It emerges forcefully that the nature of his military service has haunted him. Not only from the vivid nightmares he suffers at regular intervals, all of which can be seen to possess an inherent metaphorical force stemming from his time as a border guard, but also in the manner in which his original fictional treatment reappears once the Wall has fallen, it is clear that a personal reckoning with his past is essential.

Measuring his achievements alongside the original motivation and rationale for embarking on a writing career, the narrator feels that he has fallen well short of his avowed intention to expiate his sense of guilt in literary form for having complied with the State. Ich redete die Armeerlebnisse wie einen Wall vor mich. Jede Minute der Tage hatte ich klar vor mir. Ich redete den Jargon, ich roch und schmeckte, wovon ich sprach. Und ich redete und redete. Es war noch immer in mir.

Ich sah die Gesichter, ich lief die Wege. DN, The corporeal impact of these memories shock and overwhelm him. On the journey home, his thoughts elide into the detailed recollection of a military exercise at Streganz, crawling through the tunnels of the army range during a 47 Christa Wolf, Was bleibt Munich: DTV, , pp. In light of the criticisms levelled at the author, quotations such as this seem doubly apposite. He is so utterly transfixed that he remembers nothing of the drive home: As the narrator reflects upon his memory of the Streganz exercise, the full extent of his collusion with the State becomes clear to him: With hindsight, the narrator intimates that even at the time he knew that passive resistance was problematic, or most likely ineffectual.

In the face of an apparently incontrovertible reality, he compares his response to that of Willy Brandt, the Mayor of West Berlin in , whom he quotes extensively at this point in the text. Although as powerless as Saeger, Brandt resolved never to accept the Wall: Trakl wrote the eponymous poem in hospital following a nervous breakdown in the wake of the battle.

As we have seen, the poem included in the main body of the text underlines the affinity the narrator feels with Trakl.


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The fate of Trakl perhaps puts his own into perspective. Nevertheless, events in the autumn of and their impact upon him underline the way his fate appears to be bound up irrevocably with the Wall: The symbol of division and oppression is quite literally a part of him, in an image that recalls the opening lines of his poem. By examining the complex, introspective nature of the narrative, the more insidious aspects of totalitarianism in the GDR and its impact on identity can be detected, but we must also consider the more overt external structures and manifestations of totalitarian rule that are presented in the text.

The tactics of intimidation 48 Eakin HOL, In fact, one might argue that the intimidation deriving from 49 One of the earliest, and best, studies is provided by Joachim Gauck, Die StasiAkten: HarperCollins, can be recommended. For a recent study of this area, see also Paul Cooke and Andrew Plowman eds.

Dealing with the Stasi Basingstoke: The article offers a condensed, and very accessible, summary of aspects of his larger survey. Uwe Saeger 83 someone purporting to be related to a former colleague of the narrator is actually more disturbing. The narrator is initially mystified: The following week, the narrator is telephoned by a DEFA producer, seemingly out of the blue, about the possibility of filming the screenplay.

Ultimately, the sudden interest would appear to have little to do with coincidence. The unsettling impact of this sequence of events on the narrator is doubtless accentuated by his own creative impasse. In essence, it borrows heavily from the original tale, recounting the return home of two conscriptees, but with the added dramatic tension of being set in October As a result, the narrator grudgingly concedes that it surpasses his own, rather laboured, version: Der Text des M. Du galtest schon als kooperativ.

Aber so war die Strategie damals. Two men had visited him and denied that the budding author, with whom he had been in contact, was one of their operatives: Ich war immer in Erwartung eines Unheils, das von dieser Episode seinen Ausgang nahm. Ich trank viel 52 und ich schrieb nichts. Clearly unsettled, it is striking that the narrator should resort to alcohol once more, as he had following his tour of duty at the Berlin Wall.

In an ironic twist, when one considers the proactive role the Stasi played in combating insurgency, the narrator is chided for his inactivity and apparent indifference towards the fate of the GDR: Hatte der Meister etwa Angst? War er sich zu schade? Wars doch nicht seine Stunde, nicht seine Zeit? Furthermore, the existential situation of the two diametrically opposed characters seems strikingly similar, thus reflecting a far broader social pattern, for both are plagued by doubts about their professional futures.

On the one hand, mercifully, Glockengiesser is now unemployed: Conversely, the narrator himself is uncertain whether he will be able to write again now that the Wall has fallen. The text thus depicts most effectively not only the causes, but also the symptoms, of the pressures exerted on individuals in the GDR. What is more, the psychological ramifications of this pressure are manifest in the very form of Die Nacht danach und der Morgen, the disjointedly hybrid nature of which reflects the disorientation of the author. The conflation of different documents in Die Nacht danach und der Morgen, some of which appear overtly autobiographical and others of which may be fictional, makes it impossible to define it as a conventional autobiography.

The narrative time is not chronological; rather it is syncopated with leaps back and forth within passages of interior monologue, giving the effect of snatches of memories being flung together. In this respect, the movement between temporal planes in the narrative closely resembles the same almost arbitrary process in Kindheitsmuster, in which the narrator glides between three different periods in her life: Carsten Gansel sees striking similarities between the two texts in their handling of memory: Uwe Saegers 54 Buch […] ist der poetische Versuch, eben das zu tun.

The reasons for this decision emerge within the text, as it would appear to indicate that thorough selfknowledge lies beyond the grasp of the author. If this is true, how can subjectivity be conveyed in textual terms? On several occasions, the narrator throws up his hands in despair at being unable to explain himself and find the words or the form to do so. The notion of elusive subjectivity is reiterated when he is unable to explain his resignation from the Schriftstellerverband: The dilemma is one he shares with the narrator of Kindheitsmuster: So what is Saeger trying to achieve?

Is this not postmodern playfulness after all, an aesthetic game? One need only acknowledge the strong moral and self-critical tone of the narrative to reject such an interpretation. How could it be otherwise in a totalitarian system that sought quite deliberately to mould its citizens to fit a template?

Saeger is driven by this same existential imperative: The compulsion to write is evident, and even though the words prove frustratingly, almost cripplingly, elusive, it is this very compulsion that is key; it marks an attempt at least to articulate the self as coherently as possible, instead of surrendering to silence. By , individuation was still subject to debilitating pressures that stunted the growth of fully rounded identities. As a representative of the middle generation, Saeger bears all the scars of his GDR upbringing.

That the text bears no genre description underlines this fact: In a final dream-vision sequence, the narrator sees himself as Laokoon — like Cassandra, destined never to be believed — warning the Trojans about gifts from the Greeks: Overnight, the world has changed, arguably for the better, but it will take time to adjust to the changed Heimat: DN, On this occasion, the narrator describes himself as being trapped in an iron construction, but aware of space opening up below, presumably room in which he might move.

Uwe Saeger 91 trapped in iron, but truly rootless? It is more an expression of the ambivalence the narrator feels about events, which derives from the need to deal with the past, before truly engaging with the present: As the complex structure of Die Nacht danach und der Morgen indicates, however, confronting the past is easier said than done, due to the depredations inflicted upon individuals by the State. For Saeger, as we have seen, his passivity in the GDR engenders a deep sense of shame and guilt, but it is hard to censure him, when one considers the environment within which he grew up.

The problems that Saeger has in coming to terms with his actions reflect the scale of those pressures, arguably in a more effective manner than Wolf was able to achieve in Was bleibt. Die Nacht danach und der Morgen does raise similar concerns, but offers more insight into the nature of GDR society at large. And therein lies the considerable strength of this remarkable, challenging book.

Ultimately, it matters little where precisely the line between fact and fiction is drawn in Die Nacht danach und der Morgen: Thus, the pressures placed upon individuals come to the fore, together with the sense of disorientation that many people were to feel as the GDR crumbled; not so much because the State was much beloved by its people, but rather that it had been their home and embodied familiar surroundings. Many GDR commentators have described the effects of this overnight transition to freedom with detachment, but Saeger has arguably provided the earliest searching literary analysis of the ramifications from a subjective perspective.

It should be noted that these young voices can now be heard. Eine Jugend It seems to me unnecessary to add that none of the facts are invented. Abacus, , p. All subsequent references to this volume will appear in the text in the form ITM, All page references to this edition will appear in the text in he form WL, Both profess to have been motivated by a desire to bear witness to all they have seen, and to this end composed documents during their internment: My need to tell the story was so strong in the Camp that I had begun describing my experiences there, on the spot, in that German laboratory laden with freezing cold, the war, and vigilant eyes; and yet I knew that I would not be able under any circumstances to hold on to those haphazardly scribbled notes, and that I must throw them away immediately because if they were found they would be considered an act of espionage and would cost me my life.

In this way, for all the contextual and stylistic correlations that exist, one ought to view If This is a Man and weiter leben rather as complementary texts which broaden the focus of debate on the Holocaust. Survivors have come to terms with their experiences in a personal manner, and in this way their individual reflections rescue a sense of self from the collective dehumanisation that the concentration camps sought to impose on the prisoners. Subsequent page references to this edition will appear in the text in the form JSS, Wer sich selbst auszieht, der sagt, ich mach, was ich will, oder sogar, bitte, du kannst mich.

Der Zustand ist neutral; der Kontext ist alles.


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  • WL, Each subjective account interprets that context anew, providing fresh perspectives on the experience and thereby contributing to a more differentiated appreciation of the Holocaust and its victims. Although the picture of, what has been termed, the univers concentrationnaire may seem quite clear, by virtue of the many artistic and documentary representations of the Holocaust that now exist, each new account can provide different insights to shock or elucidate that humiliating experience still further.

    Erst jetzt, an dieser Stelle, frage ich mich, wieso Orte, wenn ich doch eine bin, die nirgendwo lange war und wohnt. Wir fangen mit dem an, was blieb: Ordinary Germans and the Holocaust London: Little, Brown and Company, Ultimately, as weiter leben indicates, it is not the form but the content of the material dealing with the univers concentrationnaire which counts. Die Holocaust-Literatur ist im Schnittpunkt zwischen dem einmaligen und dem wiederholbaren Megaverbrechen angesiedelt.

    Sie mag Gedicht, Fiktion, Drama, Berichterstattung und was es sonst noch gibt, sein.

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    One cannot help but feel that objections to Jakob the Liar stemmed largely from the casting of eccentric comedian Robin Williams in the lead role. Was stimmt hier denn nicht? Von einem geschlossenen Ganzen kann hier nicht die Rede sein, das Skizzenhafte und Fragmentarische dieses Buches wird von seiner Autorin nicht verheimlicht, sondern programmatisch betont.

    Und letztlich bietet sie uns vielleicht weniger als einen Roman, doch zugleich mehr: Ist die Zeit schlimm, dann kann man nichts Besseres mit ihr tun, als sie zu vertreiben, und jedes Gedicht wird zum Zauberspruch. WL, Despite the seemingly reductive function of poetry as a way of passing the time, its significance in keeping the author mentally alert should not be overlooked. Frustrated by his inadequate mastery of French and the gaps in his memory, Levi is nonetheless encouraged to continue his recital: Das Gedicht transzendierte die Wirklichkeit nicht mehr. Da stand es und war nur sachliche Aussage: It is futile, even facile, to attempt to reduce that experience to a universal template.

    Yet, conversely, the explanation she provides of how and why they were thus conceived offers fascinating insights into their immeasurable importance for her at that time: The intellectual and emotional investment in literature, it seems, facilitates an active response instead of a passive absorption of the facts: Wer nur erlebt reim- und gedankenlos, ist in Gefahr, den Verstand zu verlieren […]. Ich hab den Verstand nicht verloren, ich hab Reime gemacht.

    It comes as no great surprise, therefore, that in spite of her admiration for Paul Celan, she should be so critical of his complex poetry. Ernestine Schlant provides a detailed survey of the debate about whether or not the Holocaust should ever be conceptualised linguistically, summarising in particular how Adorno eventually rescinded his initially dogmatic refusal to countenance any literary adaptation thereof.

    Mapping the Contours of Oppression retain the memory that is perhaps the only meaningful association we can have with Auschwitz: Irrespective of her own, rather harsh, assessment of their deficiencies, those of her poems that she interpolates into the text of weiter leben represent significant attempts to interpret the univers concentrationnaire and consequently possess intrinsic value for their blend of Wahrheit and Dichtung.

    The first poem she cites is one dealing with her father, who left his family behind in Vienna, only to perish in a concentration camp in France. In this way, her poems about him are to be seen as purely functional personal documents with validity solely as exorcisms. Her Auschwitz poems might therefore be seen to perform a similar function. No attempt is made to embellish the description or to inject any sense of drama or pathos into the text. Zwei alte Frauen stritten. Worte wechselnd standen sie am Eingang der Baracke.

    But with the […] men in decay, it is not even worth speaking, because one knows already that they will complain and will speak about what they used to eat at home. Even less worthwhile is it to make friends with them, because they have no distinguished acquaintances in camp, they do not gain any extra rations, they do not work in profitable Kommandos and they know no secret method of organizing.

    And in any case, one knows that they are only here on a visit, that in a few weeks nothing will remain of them but a handful of ashes in some near-by field and a crossed-out number on a register. Preis der Frankfurter Anthologie: To readers now, such ruthless pragmatism is decidedly unsettling. Nevertheless, as Steinfeld observes, there is no mistaking a frequent brusqueness in weiter leben. Kiepenheuer und Witsch, , p. Ich denke dann, die wollen mir mein Leben nehmen, denn das Leben ist doch nur die verbrachte Zeit, das einzige, was wir haben, das machen sie mir streitig, wenn sie mir das Recht des Erinnerns in Frage stellen.

    History, she argues, is seen as the preserve of men: As a result, women should be entitled to articulate their memories in the same way as men, for there was an undeniable equality in persecution and suffering. A commitment to feminism underpins the text, therefore, but must be seen in the context of wresting a voice for all witnesses whose testimonies have been drowned out or ignored, for whatever reason. Ariadne, , pp.

    In particular, it is the poems that are interpolated into the text that offer glimpses of an individual coming to terms with the Holocaust and rescuing a sense of self. Darf man den Holocaust deuten? The problem, she argues, stems from too many people being unable to deal with uncomfortable or traumatic memories, either their own or those of other people. In this regard, the essay opens bluntly: Wir erinnern uns, nicht weil wir sollen oder wollen, um keines kategorischen Imperativs willen, sondern weil wir so veranlagt sind, weil es uns nicht gegeben ist, uns nicht zu erinnern.

    But she is not only stressing the legitimacy of her need to articulate her own memories; more importantly, she is also demanding that others should listen. The text is replete with other such examples aimed at correcting some of the preconceived ideas the author has encountered. As a telling postscript to this situation, she believes that the postwar refusal of the Poles to commemorate separately the Polish Jews who were murdered at Auschwitz indicates a disturbing level of anti-Semitism and a significant distortion of the truth.

    Rather than promoting a better understanding of what happened, these memorials paradoxically run the risk of distorting the past because they cannot possibly recreate the horror experienced by the prisoners.

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    The horrific nature of the past thus remains elusive, beyond the reach of imagination. Primo Levi voices similar reservations following a visit to the museum at Auschwitz, in which gruesome relics are displayed: But rearranged for whose benefit, one might ask? Is it not possible that these pitiful collections of mundane objects might bring home the reality of the Holocaust to those fortunate enough not to have been there? Ein Besucher, der hier steht und ergriffen ist, […] wird sich dennoch als ein besserer Mensch vorkommen.

    As a consequence, the sincerity of the emotional response they arouse must be called into question. As Schlant observes in The Language of Silence, the authenticity of the hysterical responses generated in Germany by the broadcast of the American television film Holocaust in was equally suspect. It is clear that she would rather readers of these texts — and by extension, visitors to concentration camp memorials, or viewers of television programmes — displayed the same emotional detachment which underpins weiter leben.

    Da ging ich beruhigt fort. Theresienstadt war kein KZ-Museum geworden. WL, In effect, the return of normality to the area is the best commemoration for the horrors of the past. Instead of an unnatural vacuum, life has begun again. Her dislike of the museum culture surrounding some KZ can be seen in the wider context of the problem she has raised of how best to represent the Holocaust.

    By implication, it is such works that have helped shape the perceptions of those such as Gisela, who have subsequently trivialised or sentimentalised the Holocaust accordingly. Although Apitz himself spent eight years in the camp, his account was produced in the GDR in the mids and duly bears the hallmarks of Socialist Realism, with the attendant partial interpretation one would expect from such a work. Produced in exile, Das siebte Kreuz is underpinned by a defiant optimism that National Socialism could be defeated and that a sense of humanity would prevail. It is especially evident on those occasions when the author addresses her readers directly.

    Anticipating scepticism during her account of how she was able to avoid selection in Auschwitz, for example, she remarks: At another juncture, she criticises those who believe it to be in the gift of the victims to provide absolution for the perpetrators: It is as if the author herself has been overwhelmed, albeit briefly, by her emotions or outrage, and resorts to the kind of sermonising approach that runs the risk of perpetuating the very responses she is endeavouring to counteract.

    Aber seid ihr das wirklich? Wollt ihr wirklich so sein? She wants not only to engage them in discussion, but also to provoke a response in them. In view of the extermination that took place at Auschwitz, the fact that she was not allowed to sit on a park bench at seven years of age might seem banal. The action of a stranger, who surreptitiously gives her an orange on a tram, Mapping the Contours of Oppression can no longer be interpreted simply as a gesture of kindness when viewed in its totalitarian context: It is interesting to observe in autobiographies dealing with the Nazi period how often the role of cinema emerges, providing evidence of its value as both a propaganda tool and a barometer of the period.

    Es war der reine Terror. Juden ist der Eintritt ins Kino gesetzlich untersagt. Hast du das gesehen? Wo ein unsauberer Profit zu machen war, und sei er auch noch so kleinlich, wie die 10 Pfennige pro Judenstern, haben die Nazis einkassiert. There were fundamental differences between the three camps she was imprisoned in, which explains why she devotes time to each in turn in her account. Nevertheless, highlighting the individual nature of each camp does not detract from the suffering that existed in them all.

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    Similarly, although conditions in Christianstadt were much better than in her previous camps — the Mapping the Contours of Oppression prisoners were issued with proper clothing, for instance, and the female guards are described as not unfriendly — the inmates were still perceived as animals: Although the experience was less brutally degrading than at Auschwitz, it was dehumanising nonetheless.

    In relative terms, juxtaposed alongside the description of her childhood in Vienna, it is easy to see why she might feel this way. Yet one must not overlook the important qualification in her remark. For all the beneficial influences she was exposed to in the camp, it remained a prison: Ein Ameisenhaufen, der zertreten wurde.

    WL, There is no qualification now. The chances of successful selection for the author were remote; she was just twelve and was certain she did not look any older than thirteen. Irrespective of the role of good fortune, that there was still the capacity for humanity to prevail is crucial. Yet, ironically, weiter leben might be viewed in a similar way. For all the harrowing detail that they contain documenting the way totalitarian regimes persecute those deemed outsiders, there is something inevitably uplifting about the survival they depict.

    The poem appears to anticipate the disillusionment that the author would feel in the immediate postwar period, but by her own admission this fact should not diminish the elation of the freedom so suddenly attained.

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    Die Frage war nicht so sehr, wohin, das war nicht mein Anliegen. Freiheit bedeutete weg von. Das ist subjektives Verhalten und verringert das Elend der Zeit um keinen einzigen Toten. Wir haben viel gelacht auf dieser Flucht. It is as if she is eager not to allow the fact of her own survival to deflect from the Holocaust, conscious that many people, such as Gisela, have relativised the horror in this way and view survivors as an alibi.

    And yet, one cannot fail to be affected by this simple reassertion of individuality and humanity, for one rarely has a sense of the author smiling or laughing in weiter leben. It is inevitable that this idyll could not last. Although they are able to blend in relatively Mapping the Contours of Oppression seamlessly, two incidents have a profound effect on the author and signal the end of their untroubled existence. Was mich von denen trennte, waren nur einige Wochen, nach jahrelanger Gemeinsamkeit.

    Und da waren sie nun, meine Leute. Als die Amerikaner kurz darauf einmarschierten, hatte niemand je was gesehen. In diesem Sinne hatte nur ich sie gesehen. Also eines stand fest: They are significant attempts to break the silence, to articulate that which others cannot or will not. It is especially true of her relationship with her mother, which is rarely less than antagonistic, despite the common suffering they endured in concentration camps. These lives are set in motion by the existence of tensions and secrets; there is a disruption, distortion, or omission in the family narrative that must be repaired.

    Her mother later refused to allow her to be evacuated from Vienna to Palestine on the grounds that they should never be separated: In both cases, the commonality of experience fails to mitigate the generational conflict. Rodopi, , pp. Meine Mutter und ich hatten keine Sprache miteinander. Die ihrige dient nicht dem Gedankenaustausch, sondern der Manipulation.

    In spite of the shared trauma, there is no impression that the experience brought them closer together. Although it is tempting, perhaps, to view weiter leben as conforming to the typical pattern of myriad mother-daughter texts that have been the focus of many recent feminist studies, it would be a rather narrow interpretation of the text as a whole.

    It seems to have imbued the young girl with a sense of independence and a strong-willed outlook that finds expression in the narrative tone of weiter leben. WL, 41 It is the distortion of this affiliation with her home that signalled the onset of National Socialism. She no longer belonged; she became exclusively Jewish, and therefore representative of the other. Any inclusive, positive affiliation with Vienna is irrevocably juxtaposed with exclusion and persecution: The poems she adored as a child were written in German, but so too were the anti-Semitic posters that comprised her first reading.

    She therefore finds her way back to the German language, but remains torn about her profession: WL, Rather than signifying any degree of reaffirmation of a cultural or linguistic identity, her profession remains rooted in an enduring ambivalence. Die halbe Welt wohnt nicht mehr dort, wo sie geboren wurde. That a sense of freedom should have remained important to the author is axiomatic.

    On escaping from the concentration camp march, she observes: Das bildet man sich ein. Hilde Domin and Grete Weil. As a result, she concedes, her earlier poems testify to a longing to be able to remain in one place: Das steckt einem in den Knochen ein 40 Leben lang. The only similarity exists in the way these early experiences have subsequently conditioned their attitudes. The same contrast can be found in their perception of German.

    As one might expect after enforced exile, Domin longed for nothing so much as the opportunity to return home: Das Wort aber war das deutsche Wort. Fast ein Lebenslauf Frankfurt: As any lapse into her native tongue could lead to arrest, she had to suppress her identity. Consequently, when the Allies liberated Amsterdam, the author sought to return to Germany at the earliest opportunity, even though she knew that her Heimat would be much changed.

    More important, however, was the chance to rediscover her true voice. Wer war schon bibelfest bei uns zu Haus? And yet weiter leben underlines just how important her Jewishness has been for her, reflected in the effect her KZ tattoo had on her: WL, Despite her expectations, however, both her victim status and her record of events were challenged after the war, so that it became necessary for her to bear witness to the Holocaust, a process which reached fruition with weiter leben. In this respect, again, she has much in common with Grete Weil, whose Jewish identity truly crystallised in the aftermath of the war, but could not be conceived of in any conventional sense: With barely concealed contempt, the author recalls the advice her aunt gives her in America: Wegwischen, wie mit einem Schwamm, wie die Kreide von einer Tafel.

    Die Schriftstellerin Grete Weil Munich: A1, , p. Mapping the Contours of Oppression reaction to the recent past and to the pressure on her to suppress what had happened: Sicher ist so ein Bild eine Nachwirkung der Nazipropaganda, doch zu einer Zeit, die die Frauen abwertete, war es naheliegend, mich selbst abzuwerten. She posits the theory, with hindsight, that she was suffering from culture shock. It is nevertheless striking that she should have associated her problems at the time with her Jewishness. With the passage of time, she clearly came to view the unwillingness of people around her to acknowledge her past suffering as a stifling of her identity.

    From her own point of view, her Jewishness was no longer a problem; it was part of who she had become. She has effectively rescued her identity. Ich bin in einem Alter, wo man nicht mehr an seinem eigenen Wesen oder Wert verzweifelt. Her assertion is borne out by weiter leben, which documents the pressures she had to withstand and distils out the elements that have enabled her to stay alive and have shaped her sense of self.

    Nevertheless, about one thing she is adamant. Of all the elements that constitute her identity, Auschwitz should categorically not be seen as one of them: Remembrance engages in works of atonement, erupts in conflicts and protests, settles as spectacle and ritual, but always retains its ambivalent, irresolute quality.

    There is danger that public observances of remembrance days and anniversaries lead to ritualization und relieve the individual from the responsibility to remember. This increasingly public memory work is further enhanced through a plethora of films and TV series, documentaries, and exhibitions […]. Institutionalization, ritualization, mythization, spectacularization — all tend to absorb and obscure the reasons for which they were created 50 and to replace individual memory work with public gestures. It breaks the silence others sought to impose, whilst also celebrating the capacity of humanity to prevail, reflected most obviously in the title.

    It seemed inevitable that Vierzig Jahre would be weighed down by so much expectation, and unsurprisingly the reception it was accorded was more mixed than that of its predecessor. Ein Lebensbericht Frankfurt a. Subsequent page references to this volume will appear in the text in the form VJ, Eine Jugend in Berlin Frankfurt a. Subsequent page references to this volume will appear in the text in the form ZB, Konrad-Adenauer-Stiftung, , pp. All that had changed were the expectations of some critics, who appeared to be demanding a searching socio-political survey, undoubtedly because the subject of the GDR and its legacy was very much on the contemporary agenda, with ever more Stasi revelations in particular making the headlines at the time.

    But it was inappropriate to expect an author, whose fiction is marked by his even-handed treatment of his characters, to abandon discretion all of a sudden and to adopt the more denunciatory tack that many appeared to demand. The material is kept on a tight rein, being divided neatly into short thematic chapters that introduce an array of other characters — family, friends, writers, philosophers, aristocrats — with the result that Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter reads in the main like an historical novel. Both autobiographical volumes largely share this same construction, which allows de Bruyn to interweave private and public history to great effect, thereby revealing just how potentially damaging to the individual this interface could be in totalitarian climates.

    Deutsche Befindlichkeiten Frankfurt a. Tatsachenberichte einfallslos aneinandergereiht, ergeben nur blasse Geschichten; erst die Erfindung verleiht ihnen Kontur. It is only natural that the qualities deemed essential for producing authentic literature should pertain to autobiography as well, a genre demanding the highest guarantee of authenticity to be in any way credible. The essays advocate constantly the need for a critical approach to the autobiographical material in question, adding the important qualification that the end result can only ever be a construct of what actually happened: EI, 66 In both volumes of his autobiographical project, de Bruyn selects and arranges his material in the manner outlined in the passage above, in an attempt to produce an accessible, and authentic, account.

    Nevertheless, de Bruyn is careful to underline the conditional nature of the texts thus constructed. Rather than reducing the sense of authenticity, such caveats serve to enhance the credibility of the texts produced in that de Bruyn can be seen to be striving for the truth and seeks to corroborate his account wherever possible. It is an approach to autobiography that is both subjective and authentic. It is a particular feature of Zwischenbilanz, where the gap between narrated past and narrative present is wider than in the second volume of his autobiography, but attention is also drawn to unreliable memories in Vierzig Jahre, albeit less frequently.

    He is duly sceptical of some of the memories included in his autobiography, such as his apparent encounter with an American pilot the morning after his house has been bombed: He can vouch for the veracity of certain memories on account of the deeply painful impression they made. Where he is unable to corroborate an episode fully, de Bruyn is careful to draw attention to his misgivings, as in the scene with the American pilot, or to concede that some events may not have coincided exactly as he describes, even though it is entirely plausible.

    In this way, de Bruyn has instilled in his account a dramatic tension, which is only achievable with the benefit of hindsight: It is no less important a day, therefore, than 30 January , in that both had ramifications for ordinary individuals; the only difference in Vierzig Jahre, however, is that the author knows the juxtaposition of private and public experience on 17 June definitely occurred.

    The unreliability of his memories in general is a leitmotif in both volumes, and it is this candour which ensures their credibility. From the apparently trivial interrogation of memories derived from family photographs to the more anguished realisation that his contact with the Stasi endured far longer than he remembered, de Bruyn shows himself to be unrelentingly suspicious about the accuracy of what he is able to recall: EI, 42 Where possible, de Bruyn employs documentary evidence in his reconstruction in order to test, correct, or supplement his memories.

    Extant photographs and letters shed light on friends and relatives, although in the case of his elder brother, Karlheinz, who went missing in , the end result of such a process remains fragmentary at best: ZB, To underline further still the difficulties facing any autobiographer, de Bruyn, who as a youngster assiduously maintained a diary, is forced to acknowledge the inherent unreliability of this document. Eigne Meinungen scheint er nicht zu haben […]. Von Heimweh ist genauso wenig die Rede wie von Angst […]. Nie ist von Polen oder Juden die Rede, aber auch nicht von Hitler.

    ZB, Rather than plugging gaps, his diary poses more questions. In conjunction, memory and documentation do therefore recreate an impression of the past, even if, ironically in this instance, it is the process of remembering that appears more accurate. Nevertheless, he is forced to concede that other details significantly contradict his own recollection of events: Vor allem aber schafft er etwas, was bisher keiner der betroffenen Schriftsteller fertigbrachte: So tief wie de Bruyn hat niemand bisher die Wahrheit ausgelotet.

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